Yamazumi und Taktabstimmung: Arbeit auf Mitarbeiter verteilen
Eine Fließzelle steht und fällt mit der Verteilung der Arbeit. Das Yamazumi-Diagramm (japanisch für „aufgestapelt“) zeigt je Mitarbeiter die Arbeitselemente als Stapel und legt die geplante Zykluszeit daneben. So sehen Sie auf einen Blick, wie viele Mitarbeiter nötig sind, wer überlastet ist und wo Verschwendung im Stapel steckt.
Was das Yamazumi-Diagramm zeigt
Jeder Balken steht für einen Mitarbeiter. Er besteht aus den Arbeitselementen, die dieser Mitarbeiter in einem Umlauf ausführt: Einlegen, Schweißen, Montieren, Prüfen, auch Gehen. Die Höhe des Balkens ist sein Arbeitsinhalt in Sekunden. Eine waagrechte Linie markiert die Obergrenze, unter der jeder Balken bleiben muss.
Das Taktabstimmungsdiagramm der Wertstromanalyse vergleicht je Prozess die Zykluszeit mit dem Kundentakt. Das Yamazumi-Diagramm geht eine Ebene tiefer: Es zerlegt den Arbeitsinhalt in Elemente und verteilt sie auf Menschen. Es ist das Werkzeug für die Gestaltung einer Zelle im Soll-Zustand.
Mitarbeiterbedarf berechnen
Grundlage sind der gesamte Arbeitsinhalt der Zelle und die geplante Zykluszeit. Die geplante Zykluszeit liegt etwas unter dem Kundentakt, damit Störungen und kleine Schwankungen den Takt nicht reißen.
Warum gegen die geplante Zykluszeit und nicht gegen den Kundentakt
Wer jeden Mitarbeiter bis exakt an den Kundentakt füllt, plant ohne Reserve. Jede Störung, jedes klemmende Teil, jede Rückfrage kostet dann Stückzahl, die nicht mehr aufzuholen ist. Die geplante Zykluszeit nimmt die erwarteten Verluste vorweg: Bei 95 % Verfügbarkeit stehen von 60 s im Mittel nur 57 s zur Verfügung.
Rechnet man im Beispiel gegen den Kundentakt, ergibt sich 147 s ÷ 60 s = 2,45, also ebenfalls 3 Mitarbeiter. Der Unterschied zeigt sich beim Ausgleichen: Ein Balken mit 58 s läge unter dem Kundentakt, aber über der geplanten Zykluszeit, und würde bei normalen Störungen zum Engpass.
Arbeitselemente erfassen: Wert, Notwendiges, Verschwendung
Ein Arbeitselement ist der kleinste sinnvoll übertragbare Arbeitsschritt, gemessen mit der Stoppuhr über mehrere Umläufe. Ordnen Sie jedes Element einer von drei Gruppen zu. Am einfachsten geht das über den Namen, zum Beispiel „W: Montieren“, „N: Spannen“, „V: Gehen“.
- Wertschöpfend (W): verändert das Teil so, wie der Kunde es bezahlt, etwa Schweißen, Montieren.
- Notwendig, nicht wertschöpfend (N): heute unvermeidbar, etwa Einlegen, Spannen, Entnehmen, Prüfen.
- Verschwendung (V): Gehen, Suchen, Warten auf die Maschine, Nacharbeit. Sie gehört trotzdem in den Stapel, denn sie verbraucht Zeit.
- Handarbeit und Maschinenlaufzeit trennen: In den Balken gehört nur die Zeit, in der der Mitarbeiter gebunden ist. Läuft eine Maschine selbstständig, arbeitet der Mitarbeiter parallel an anderer Stelle; die Maschine selbst muss mit ihrer Zykluszeit unter der geplanten Zykluszeit bleiben.
Ausgleichen Schritt für Schritt
Teilen Sie die Elemente in Ablaufreihenfolge so auf, dass jeder Balken knapp unter der geplanten Zykluszeit liegt. Die Prozessgrenzen aus der Wertstromkarte sind dabei keine Grenzen mehr: Ein Mitarbeiter kann das Ende von Schweißen 2 und den Anfang der Montage übernehmen.
- Elemente in Ablaufreihenfolge auflisten, mit Zeit und Gruppe (W, N, V).
- Ersten Mitarbeiter mit Elementen füllen, bis das nächste Element die geplante Zykluszeit überschreiten würde.
- Mit dem nächsten Mitarbeiter fortfahren, bis alle Elemente verteilt sind.
- Verschwendung im Stapel abbauen, vor allem Gehwege und Wartezeiten, und neu verteilen.
- Ausgleichsgrad prüfen und Ergebnis am Arbeitsplatz erproben.
Typische Fehler
- Gegen den Kundentakt statt gegen die geplante Zykluszeit ausgleichen: Die Zelle hat keine Reserve und verfehlt die Stückzahl bei der ersten Störung.
- Gehwege vergessen: Im Beispiel kämen bei 8 s Gehweg je Umlauf MA 1 und MA 2 auf 57 und 58 s und lägen über der geplanten Zykluszeit. Gehen gehört als eigenes Element in den Stapel.
- Nach Prozessgrenzen statt nach Elementen verteilen: Ein Mitarbeiter je Station ergibt selten gleich hohe Balken.
- Kommastellen großzügig aufrunden: Ergibt die Rechnung 2,1 Mitarbeiter, zuerst Verschwendung um die fehlenden Sekunden senken, statt einen dritten Mitarbeiter einzuplanen, der zu einem Drittel wartet.
- Einmalige Messung statt mehrerer Umläufe: Elementzeiten schwanken; nehmen Sie einen repräsentativen Wert aus mehreren Messungen und notieren Sie Ausreißer getrennt.
- Maschinenlaufzeit in den Balken des Mitarbeiters packen: Dann wirkt der Mitarbeiter ausgelastet, obwohl er nur wartet.
Yamazumi im Editor
Im Profi-Modus tragen Sie bei einem Prozess unter „Arbeitsinhalte“ die Arbeitsschritte mit Dauer und Mitarbeiter-Nummer ein. Der Reiter „Operator-Balance“ zeigt daraus je Prozess einen gestapelten Balken pro Mitarbeiter mit der Kundentakt-Linie, die Summe des Arbeitsinhalts, die Zahl der nötigen Mitarbeiter und den Ausgleichsgrad. Balken über dem Kundentakt werden rot beschriftet.
Das Werkzeug rechnet „nötig“ gegen den Kundentakt (aufgerundet). Prüfen Sie zusätzlich selbst, ob jeder Balken unter Ihrer geplanten Zykluszeit bleibt. Für die Übersicht über alle Prozesse dient der Reiter „Taktabstimmung“ mit Zykluszeit und effektiver Zykluszeit je Prozess.
Im Editor üben
Öffnen Sie die Vorlage „Lenkungshalter (Soll-Zustand)“, wechseln Sie in den Profi-Modus, tragen Sie bei der Zelle die Arbeitsinhalte aus dem Beispiel mit Mitarbeiter 1 bis 3 ein und vergleichen Sie im Reiter „Operator-Balance“ die Verteilung nach Prozessgrenzen mit der Verteilung nach Elementen.
Vorlage im Editor öffnen Leer startenHäufige Fragen
Was ist ein Yamazumi-Diagramm?
Ein Balkendiagramm, das je Mitarbeiter die Arbeitselemente eines Umlaufs übereinanderstapelt und mit der geplanten Zykluszeit oder dem Kundentakt vergleicht. Es zeigt Mitarbeiterbedarf, Überlastung und Verschwendung auf einen Blick.
Was ist der Unterschied zwischen Taktabstimmungsdiagramm und Yamazumi?
Das Taktabstimmungsdiagramm zeigt je Prozess eine Zykluszeit gegen den Kundentakt und gehört zur Wertstromkarte. Das Yamazumi-Diagramm zerlegt den Arbeitsinhalt in Elemente und verteilt sie auf Mitarbeiter; es dient der Gestaltung einer Zelle.
Wie berechne ich die Anzahl der Mitarbeiter in einer Zelle?
Arbeitsinhalt geteilt durch die geplante Zykluszeit. Beim Lenkungshalter: 147 s ÷ 56 s = 2,6, also 3 Mitarbeiter mit 168 s Kapazität.
Wie weit soll die geplante Zykluszeit unter dem Kundentakt liegen?
So weit, wie es die erwarteten Verluste erfordern, vor allem Störungen. Beim Lenkungshalter sind es 56 s bei 60 s Kundentakt: 95 % Verfügbarkeit ergeben 57 s, dazu eine Sekunde Reserve. Ein pauschaler Abschlag ohne Bezug zu den gemessenen Verlusten ist zu ungenau.
Gehört die Maschinenlaufzeit in den Balken?
Nein, nur die Zeit, in der der Mitarbeiter gebunden ist. Läuft die Maschine selbstständig, kann der Mitarbeiter in dieser Zeit anderes erledigen. Die Maschine muss aber mit ihrer eigenen Zykluszeit unter der geplanten Zykluszeit bleiben.
Was tun, wenn ein einzelnes Element länger ist als die geplante Zykluszeit?
Das Element teilen, technisch verkürzen oder die Station doppelt auslegen, sodass zwei Stationen abwechselnd arbeiten. Umverteilen allein hilft nicht, weil ein Element nicht auf zwei Mitarbeiter aufgeteilt werden kann, ohne es zu zerlegen.