Heijunka und Pitch: Produktion nivellieren
Heijunka glättet, was beim Schrittmacher ankommt: gleiche Menge jeden Tag und ein gemischtes Variantenmuster statt großer Lose. Der Pitch zerlegt den Tag in kleine Freigabeeinheiten, sodass Rückstände nach Minuten sichtbar werden und nicht erst am Wochenende.
Was Heijunka bedeutet
Heijunka (japanisch für „Ausgleichen“) nivelliert die Produktion am Schrittmacherprozess in zwei Richtungen: die Menge über die Zeit und den Mix der Varianten innerhalb des Tages. Ziel ist ein gleichmäßiger Bedarf an alle vorgelagerten Prozesse. Wer am Schrittmacher heute 1.100 und morgen 700 Stück fertigt, gibt diese Schwankung über Kanban an Stanzen, Lieferanten und Supermärkte weiter, und jeder Supermarkt muss für die Spitze ausgelegt sein.
Nivelliert wird nur an einer Stelle: am Schrittmacher. Alles davor füllt per Pull nach, alles danach fließt im Takt bis zum Versand.
Mengennivellierung
Der Schrittmacher fertigt jeden Tag die durchschnittliche Menge, nicht den schwankenden Tagesabruf. Die Differenz trägt der Fertigwaren-Supermarkt. Grundlage ist der Kundentakt aus dem mittleren Bedarf.
Mixnivellierung
Statt erst alle Standard-, dann alle Kompakt-Varianten zu fertigen, wird der Tagesbedarf im Verhältnis der Varianten verteilt. Jede Variante ist dann mehrmals täglich verfügbar, der Fertigwarenbestand je Variante sinkt und die Last an den vorgelagerten Prozessen wird gleichmäßig.
Unterschiedliche Arbeitsinhalte gleichen sich dabei aus: Liegt eine Variante über dem Kundentakt und eine andere darunter, darf die lange Variante nicht im Block laufen, sondern muss zwischen kurze verteilt werden.
Pitch berechnen
Der Pitch ist die Zeit, die der Schrittmacher für eine Packeinheit braucht, wenn er genau im Kundentakt arbeitet. Er ist die kleinste Freigabeeinheit: Pro Pitch wird ein Auftrag freigegeben und ein voller Behälter abgeholt. Gerechnet wird mit dem Kundentakt, nicht mit der Zykluszeit des Prozesses.
Heijunka-Box und Läufer
Die Heijunka-Box ist ein Kartenregal mit einer Spalte je Pitch-Intervall und einer Zeile je Variante. Die Planung legt die Kanban-Karten des Tages nach dem nivellierten Muster in die Fächer. So wird der Tagesplan nicht als Ganzes freigegeben, sondern in kleinen Arbeitspaketen.
- Ein Läufer (Materialversorger) holt in jedem Pitch-Intervall die Karte aus dem nächsten Fach.
- Er bringt sie mit dem Material zum Schrittmacher und nimmt den fertigen Behälter des vorigen Intervalls mit in den Fertigwaren-Supermarkt.
- Liegt beim nächsten Rundgang noch Arbeit vom vorigen Intervall am Schrittmacher, ist der Rückstand sofort sichtbar: nach 20 Minuten, nicht erst bei der Wochenauswertung.
- Karten werden nicht vorgezogen und nicht gesammelt. Wer „vorarbeitet“, verschiebt Bedarf und hebelt die Nivellierung aus.
Voraussetzungen
- Taktfähiger Schrittmacher: Die effektive Zykluszeit muss unter dem Kundentakt liegen, sonst entsteht in jedem Pitch ein Rückstand.
- Kurze Rüstzeiten: Jeder Variantenwechsel kostet Rüstzeit. Ein feines Mixmuster ist nur mit wenigen Minuten pro Wechsel machbar.
- Supermärkte vor dem Schrittmacher: Er entnimmt in kleinen Mengen, die vorgelagerten Prozesse füllen per Kanban nach.
- Stabile Prozesse: Störungen am Schrittmacher wirken sich ohne Puffer sofort auf den Versand aus.
- Fertigwaren-Supermarkt für die Mengennivellierung, solange der Kundenabruf schwankt.
Typische Fehler
- Pitch mit der Zykluszeit statt mit dem Kundentakt berechnen: Der Pitch richtet sich nach dem Kunden, nicht nach der Maschine.
- An mehreren Stellen nivellieren: Zwei Heijunka-Boxen in einem Wertstrom widersprechen sich. Es gibt genau einen Schrittmacher.
- Mixnivellierung beschließen, ohne die Rüstzeit zu prüfen: Die Wechsel fressen die Kapazität, der Schrittmacher fällt zurück.
- Zu großer Pitch: Bei mehreren Stunden pro Fach fehlt die Steuerungswirkung. Dann eine kleinere Freigabemenge als Pitch-Einheit wählen.
- Heijunka-Box ohne festen Läufer-Rundgang: Ohne regelmäßige Abholung wird die Box zur Ablage für Aufträge.
- Exoten im Muster: Sehr seltene Varianten mit hohem Rüstaufwand stören das Muster. Besser in feste Fenster legen oder auf Auftrag fertigen.
Im Editor
Setzen Sie das Heijunka-Symbol vor den Schrittmacher, tragen Sie den Pitch als Intervall ein und verbinden Sie es mit einem manuellen Informationsfluss mit dem Schrittmacher. Die Vorlage „Variantenfertigung: 3 Produkte, eine Linie“ zeigt über den Produktmix die Mix-Belastung, die Rüstkapazität und den EPEI je Prozess. So sehen Sie, ob die Rüstzeit am Schrittmacher eine feine Nivellierung überhaupt zulässt.
Im Editor üben
Öffnen Sie die Vorlage „Variantenfertigung: 3 Produkte, eine Linie“, berechnen Sie Kundentakt und Pitch für 10 Stück je Behälter und prüfen Sie, wie viele Variantenwechsel die Montage pro Tag schafft.
Vorlage im Editor öffnen Leer startenHäufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Heijunka und Kanban?
Kanban regelt das Nachfüllen zwischen zwei Prozessen: Was entnommen wurde, wird nachgefertigt. Heijunka legt fest, in welcher Reihenfolge und Menge der Schrittmacher Aufträge erhält. Heijunka steuert den Bedarf, Kanban gibt ihn nach vorne weiter.
Wie groß sollte der Pitch sein?
Pitch = Kundentakt × Packmenge. In der Praxis liegen gute Werte zwischen etwa 5 und 60 Minuten. Ist der Behälter sehr groß, wählen Sie eine kleinere Freigabemenge als Pitch-Einheit, damit Rückstände früh sichtbar werden.
Brauche ich eine physische Heijunka-Box?
Nein, entscheidend ist das Prinzip: Aufträge in festen Intervallen freigeben, nach nivelliertem Muster, sichtbar am Schrittmacher. Das geht auch mit einem Bildschirm oder einer Tafel. Die physische Box hat den Vorteil, dass jeder Rückstand auf einen Blick erkennbar ist.
Funktioniert Heijunka bei vielen Varianten?
Ja, wenn Sie Varianten gruppieren: Schnelldreher in ein festes Muster, mittlere Varianten in feste Zeitfenster, seltene Exoten auf Auftrag. Nivelliert wird dann der Arbeitsinhalt pro Pitch, nicht jede einzelne Variante.
Was hat Heijunka mit dem EPEI zu tun?
Der EPEI gibt an, wie oft jede Variante gefertigt werden kann. Mixnivellierung verkürzt ihn, zum Beispiel von einer Woche auf einen Tag oder wenige Stunden. Das geht nur, wenn die Rüstzeit pro Wechsel entsprechend sinkt.