Heijunka und Pitch: Produktion nivellieren

Vertiefung 9 Minuten Lesezeit · Stand 2026-10-27

Heijunka glättet, was beim Schrittmacher ankommt: gleiche Menge jeden Tag und ein gemischtes Variantenmuster statt großer Lose. Der Pitch zerlegt den Tag in kleine Freigabeeinheiten, sodass Rückstände nach Minuten sichtbar werden und nicht erst am Wochenende.

Was Heijunka bedeutet

Heijunka (japanisch für „Ausgleichen“) nivelliert die Produktion am Schrittmacherprozess in zwei Richtungen: die Menge über die Zeit und den Mix der Varianten innerhalb des Tages. Ziel ist ein gleichmäßiger Bedarf an alle vorgelagerten Prozesse. Wer am Schrittmacher heute 1.100 und morgen 700 Stück fertigt, gibt diese Schwankung über Kanban an Stanzen, Lieferanten und Supermärkte weiter, und jeder Supermarkt muss für die Spitze ausgelegt sein.

Nivelliert wird nur an einer Stelle: am Schrittmacher. Alles davor füllt per Pull nach, alles danach fließt im Takt bis zum Versand.

Mengennivellierung

Der Schrittmacher fertigt jeden Tag die durchschnittliche Menge, nicht den schwankenden Tagesabruf. Die Differenz trägt der Fertigwaren-Supermarkt. Grundlage ist der Kundentakt aus dem mittleren Bedarf.

Beispiel Lenkungshalter: 18.400 Stück im Monat ÷ 20 Arbeitstage = 920 Stück pro Tag. Schwanken die Tagesabrufe angenommen zwischen 700 und 1.100 Stück, fertigt die Montage trotzdem jeden Tag 920 Stück im Takt von 60 s. Der Fertigwaren-Supermarkt der Demo mit 1.840 Stück (1.840 ÷ 920 = 2 Tage) fängt die Schwankung ab.

Mixnivellierung

Statt erst alle Standard-, dann alle Kompakt-Varianten zu fertigen, wird der Tagesbedarf im Verhältnis der Varianten verteilt. Jede Variante ist dann mehrmals täglich verfügbar, der Fertigwarenbestand je Variante sinkt und die Last an den vorgelagerten Prozessen wird gleichmäßig.

Unterschiedliche Arbeitsinhalte gleichen sich dabei aus: Liegt eine Variante über dem Kundentakt und eine andere darunter, darf die lange Variante nicht im Block laufen, sondern muss zwischen kurze verteilt werden.

Beispiel Variantenfertigung (Vorlage Hydraulikblock): 700 Stück pro Tag, davon 400 Standard, 250 Kompakt, 50 Sonder, also 8 : 5 : 1. Ein Muster aus 14 Einheiten, z. B. S K S K S S K S K S S K S X (X = Sonder), wiederholt sich fünfmal am Tag. Kundentakt: 450 min × 60 = 27.000 s ÷ 700 = 38,6 s. Montagezeiten: Standard 32 s, Kompakt 26 s, Sonder 70 s. Sonder liegt über dem Takt, der gewichtete Mittelwert (400 × 32 + 250 × 26 + 50 × 70) ÷ 700 = 22.800 s ÷ 700 = 32,6 s aber darunter. Deshalb wird Sonder verteilt und nicht am Stück gefertigt.

Pitch berechnen

Der Pitch ist die Zeit, die der Schrittmacher für eine Packeinheit braucht, wenn er genau im Kundentakt arbeitet. Er ist die kleinste Freigabeeinheit: Pro Pitch wird ein Auftrag freigegeben und ein voller Behälter abgeholt. Gerechnet wird mit dem Kundentakt, nicht mit der Zykluszeit des Prozesses.

Pitch = Kundentakt × Packmenge Pitch-Fächer pro Tag = verfügbare Arbeitszeit ÷ Pitch
Beispiel Lenkungshalter: Kundentakt 60 s, Packmenge 20 Stück je Behälter. Pitch = 60 s × 20 = 1.200 s = 20 min. Pro Tag: 920 min ÷ 20 min = 46 Pitches, 46 × 20 = 920 Stück. In der Ist-Vorlage Lenkungshalter ist die Heijunka-Box an der Montage mit genau diesem Pitch von 20 min eingezeichnet. Variantenfertigung mit angenommen 10 Stück je Behälter: 38,6 s × 10 = 386 s ≈ 6,4 min, also 70 Fächer pro Tag (27.000 s ÷ 386 s = 70).

Heijunka-Box und Läufer

Die Heijunka-Box ist ein Kartenregal mit einer Spalte je Pitch-Intervall und einer Zeile je Variante. Die Planung legt die Kanban-Karten des Tages nach dem nivellierten Muster in die Fächer. So wird der Tagesplan nicht als Ganzes freigegeben, sondern in kleinen Arbeitspaketen.

Voraussetzungen

Rechenbeispiele: Die Montage im Ist-Zustand Lenkungshalter hat 62 s Zykluszeit und 2 % Ausschuss, effektiv 62 ÷ 0,98 = 63,3 s. Ein Behälter braucht 20 × 63,3 s = 1.266 s = 21,1 min, also 1,1 min mehr als der Pitch. Am Tag fehlen 920 − 55.200 s ÷ 63,3 s ≈ 48 Stück. Die Soll-Zelle schafft mit 56 s geplanter Zykluszeit, 95 % Verfügbarkeit und 1 % Ausschuss effektiv 59,5 s, also 20 × 59,5 s = 19,8 min je Behälter. Zur Mixnivellierung in der Variantenfertigung: Bei 95 % Verfügbarkeit stehen an der Montage 450 × 0,95 = 427,5 min zur Verfügung; die Produktion braucht 22.800 s ÷ 0,99 = 383,8 min. Für Rüsten bleiben rund 44 min. Bei 8 min je Wechsel und 20 min auf Sonder reicht das für drei Wechsel (8 + 20 + 8 = 36 min), also jede Variante einmal täglich. Das 14er-Muster bräuchte fünfmal 12 Wechsel, also über 500 min Rüstzeit am Tag. Erst SMED macht feine Nivellierung möglich: /lernen/smed-ruestzeit-reduzieren/

Typische Fehler

Im Editor

Setzen Sie das Heijunka-Symbol vor den Schrittmacher, tragen Sie den Pitch als Intervall ein und verbinden Sie es mit einem manuellen Informationsfluss mit dem Schrittmacher. Die Vorlage „Variantenfertigung: 3 Produkte, eine Linie“ zeigt über den Produktmix die Mix-Belastung, die Rüstkapazität und den EPEI je Prozess. So sehen Sie, ob die Rüstzeit am Schrittmacher eine feine Nivellierung überhaupt zulässt.

Im Editor üben

Öffnen Sie die Vorlage „Variantenfertigung: 3 Produkte, eine Linie“, berechnen Sie Kundentakt und Pitch für 10 Stück je Behälter und prüfen Sie, wie viele Variantenwechsel die Montage pro Tag schafft.

Vorlage im Editor öffnen Leer starten

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Heijunka und Kanban?

Kanban regelt das Nachfüllen zwischen zwei Prozessen: Was entnommen wurde, wird nachgefertigt. Heijunka legt fest, in welcher Reihenfolge und Menge der Schrittmacher Aufträge erhält. Heijunka steuert den Bedarf, Kanban gibt ihn nach vorne weiter.

Wie groß sollte der Pitch sein?

Pitch = Kundentakt × Packmenge. In der Praxis liegen gute Werte zwischen etwa 5 und 60 Minuten. Ist der Behälter sehr groß, wählen Sie eine kleinere Freigabemenge als Pitch-Einheit, damit Rückstände früh sichtbar werden.

Brauche ich eine physische Heijunka-Box?

Nein, entscheidend ist das Prinzip: Aufträge in festen Intervallen freigeben, nach nivelliertem Muster, sichtbar am Schrittmacher. Das geht auch mit einem Bildschirm oder einer Tafel. Die physische Box hat den Vorteil, dass jeder Rückstand auf einen Blick erkennbar ist.

Funktioniert Heijunka bei vielen Varianten?

Ja, wenn Sie Varianten gruppieren: Schnelldreher in ein festes Muster, mittlere Varianten in feste Zeitfenster, seltene Exoten auf Auftrag. Nivelliert wird dann der Arbeitsinhalt pro Pitch, nicht jede einzelne Variante.

Was hat Heijunka mit dem EPEI zu tun?

Der EPEI gibt an, wie oft jede Variante gefertigt werden kann. Mixnivellierung verkürzt ihn, zum Beispiel von einer Woche auf einen Tag oder wenige Stunden. Das geht nur, wenn die Rüstzeit pro Wechsel entsprechend sinkt.

Selbsttest

1. Kundentakt 45 s, Packmenge 40 Stück. Wie groß ist der Pitch?
45 s × 40 = 1.800 s = 30 min.
2. An welchem Prozess wird nivelliert?
Nur der Schrittmacher erhält den nivellierten Auftrag; die vorgelagerten Prozesse füllen per Kanban nach.
3. Die Montage arbeitet effektiv mit 63,3 s, der Pitch beträgt 20 min für 20 Stück. Was passiert?
20 × 63,3 s = 1.266 s = 21,1 min. Bei 46 Pitches pro Tag fehlen 920 − 55.200 ÷ 63,3 ≈ 48 Stück. Heijunka ersetzt keine Taktfähigkeit.
4. Der Kunde ruft zwischen 700 und 1.100 Stück pro Tag ab, im Mittel 920. Was fertigt der Schrittmacher bei Mengennivellierung?
Die Montage arbeitet gleichmäßig im Takt des mittleren Bedarfs; der Supermarkt puffert die Abrufschwankung.
5. Warum scheitert ein feines Mixmuster an einer Montage mit 8 min Rüstzeit je Wechsel?
Das 14er-Muster bräuchte 60 Wechsel am Tag. Ohne kürzere Rüstzeiten (SMED) reicht die Kapazität nur für wenige Wechsel.

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