Milkrun und Mizusumashi: die Linie im festen Takt versorgen

Vertiefung 7 Minuten Lesezeit · Stand 2026-10-27

Im Soll-Zustand holt die Linie ihr Material nicht mehr selbst, und der Stapler bringt keine Tagesmengen mehr. Ein Routenzug fährt in fester Umlaufzeit eine feste Route: Er bringt Material aus dem Supermarkt, nimmt Leergut und Kanban-Karten mit und liefert oft die nächste Heijunka-Karte an den Schrittmacher. Der Fahrer heißt im Toyota-Produktionssystem Mizusumashi, „Wasserläufer“, auf Englisch water spider.

Externer und interner Milkrun

Der Begriff kommt vom Milchwagen, der feste Höfe in fester Reihenfolge anfährt. Extern holt ein Lkw im Milkrun bei mehreren Lieferanten ab oder beliefert mehrere Kunden; auf der Wertstromkarte ist das ein Transport mit Frequenz, etwa „täglich, Milkrun“ beim Kunden im Lenkungshalter-Beispiel.

Intern ist der Milkrun ein Routenzug zwischen Supermarkt und Linie. Er ersetzt die Fahrt auf Zuruf durch einen Fahrplan: Jeder Halt wird in jeder Runde angefahren, auch wenn dort gerade wenig gebraucht wird. Damit wird die Materialversorgung so berechenbar wie die Fertigung selbst.

Was der Mizusumashi tut

Umlaufzeit und Auslastung

Die Umlaufzeit ist meist der Pitch, also die Zeit, in der eine Behältermenge im Kundentakt verbraucht wird. Die Runde besteht aus Fahrzeit und Handling an jedem Halt. Sie muss mit Reserve in die Umlaufzeit passen, sonst kommt der nächste Halt zu spät.

Pitch = Kundentakt × Packmenge Auslastung = (Fahrzeit + Haltestellen × Handlingzeit je Halt) ÷ Umlaufzeit
Beispiel Lenkungshalter (Soll): Kundentakt 60 s, Packmenge 20 Stück, Pitch = 60 s × 20 = 1.200 s = 20 min. Der Routenzug fährt alle 20 min drei Halte an: Supermarkt Stanzteile, Zelle, Heijunka-Box. Fahrzeit 8 min, Handling 2 min je Halt: (8 + 3 × 2) ÷ 20 = 14 ÷ 20 = 70 % Auslastung. Die Vorlage „Lenkungshalter (Soll-Zustand)“ enthält diesen Routenzug.

Wie viel Auslastung ist richtig?

Planen Sie 70 bis 85 %. Die Reserve fängt Wartezeiten an Haltestellen, Störungen und gelegentliche Sonderfahrten ab. Über 100 % schafft der Fahrer die Runde nicht, die Linie wartet. Dann helfen weniger Halte je Route, kürzeres Handling (Behälter griffgerecht, Karten in festen Fächern) oder ein zweiter Routenzug.

Unter 50 % lohnt es sich, Routen zusammenzulegen oder dem Mizusumashi weitere Aufgaben zu geben, etwa das Rüsten vorzubereiten. Verlängern Sie dafür nicht einfach die Umlaufzeit: Jede Minute mehr Umlauf heißt mehr Bestand an der Linie.

Bestand an der Linie und Kanban

Am Verbrauchsort muss nur so viel stehen, dass es bis zur nächsten Runde reicht, plus eine Reserve. Eine Karte, die kurz nach dem Halt frei wird, wartet bis zur nächsten Runde und kommt eine Runde später gefüllt zurück. Die Wiederbeschaffungszeit über den Routenzug beträgt deshalb bis zu zwei Umläufe.

Bedarf je Umlauf = Umlaufzeit ÷ Kundentakt Bestand an der Linie ≈ 2 Umläufe × Bedarf je Umlauf (+ Sicherheit)
Beispiel: 1.200 s ÷ 60 s = 20 Stück je Umlauf, an der Linie also rund 40 Stück statt einer Tagesmenge von 920 Stück, die der Stapler einmal am Tag abstellt. Die Kanban-Formel mit Wiederbeschaffungszeit steht in der Lektion /lernen/kanban-supermarkt-dimensionieren/

Im Editor

Im Profi-Modus finden Sie in der Palette unter Material das Symbol „Routenzug (Mizusumashi)“. Tragen Sie Umlaufzeit, Haltestellen, Fahrzeit, Handling je Halt und Behälter je Runde ein. Das Symbol zeigt die Auslastung, ab 85 % orange und über 100 % rot; die Prüfungen rechts melden dasselbe. Verbinden Sie den Supermarkt per Pull mit dem Routenzug und den Routenzug per Lieferung mit dem Verbraucher. Durchlaufzeit und Zeitlinie ändern sich dadurch nicht, der Routenzug steht neben dem Materialfluss.

Im Editor üben

Öffnen Sie die Vorlage „Lenkungshalter (Soll-Zustand)“, wechseln Sie in den Profi-Modus und klicken Sie den Routenzug an. Erhöhen Sie die Haltestellen auf 5: Ab welcher Zahl meldet die Prüfung eine zu hohe Auslastung?

Vorlage im Editor öffnen Leer starten

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Häufige Fragen

Was ist ein Mizusumashi?

Der Fahrer eines Routenzugs im Toyota-Produktionssystem, wörtlich „Wasserläufer“, englisch water spider. Er versorgt die Linie in fester Umlaufzeit aus dem Supermarkt, nimmt Leergut und Kanban-Karten mit und gibt Heijunka-Karten an den Schrittmacher.

Was ist der Unterschied zwischen Milkrun und Routenzug?

Milkrun beschreibt das Prinzip: feste Route, fester Takt, mehrere Halte. Extern fährt ihn ein Lkw zwischen Lieferanten oder Kunden, intern ein Routenzug zwischen Supermarkt und Linie.

Wie lang sollte die Umlaufzeit sein?

Meist so lang wie der Pitch, im Lenkungshalter-Beispiel 20 min. Kürzere Umläufe senken den Bestand an der Linie, erhöhen aber die Zahl der Fahrten und damit die Auslastung des Fahrers.

Wann brauche ich einen zweiten Routenzug?

Wenn die Auslastung über rund 85 % liegt und sich Handling oder Halte nicht weiter reduzieren lassen. Teilen Sie die Halte dann auf zwei Routen auf, statt die Umlaufzeit zu verlängern.

Selbsttest

1. Umlaufzeit 20 min, Fahrzeit 8 min, 3 Halte mit je 2 min Handling. Wie hoch ist die Auslastung?
(8 + 3 × 2) ÷ 20 = 14 ÷ 20 = 70 %.
2. Kundentakt 60 s, Packmenge 20 Stück. Welcher Pitch ergibt sich?
60 s × 20 = 1.200 s = 20 min.
3. Die Auslastung liegt bei 105 %. Was ist die beste erste Maßnahme?
Eine längere Umlaufzeit oder mehr Bestand verdecken das Problem und erhöhen den Bestand. Weniger Halte je Route oder kürzeres Handling lösen es.
4. Warum beträgt die Wiederbeschaffungszeit über den Routenzug bis zu zwei Umläufe?
Die Karte wird erst bei der nächsten Runde mitgenommen; das Material kommt mit der Runde danach.

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