Milkrun und Mizusumashi: die Linie im festen Takt versorgen
Im Soll-Zustand holt die Linie ihr Material nicht mehr selbst, und der Stapler bringt keine Tagesmengen mehr. Ein Routenzug fährt in fester Umlaufzeit eine feste Route: Er bringt Material aus dem Supermarkt, nimmt Leergut und Kanban-Karten mit und liefert oft die nächste Heijunka-Karte an den Schrittmacher. Der Fahrer heißt im Toyota-Produktionssystem Mizusumashi, „Wasserläufer“, auf Englisch water spider.
Externer und interner Milkrun
Der Begriff kommt vom Milchwagen, der feste Höfe in fester Reihenfolge anfährt. Extern holt ein Lkw im Milkrun bei mehreren Lieferanten ab oder beliefert mehrere Kunden; auf der Wertstromkarte ist das ein Transport mit Frequenz, etwa „täglich, Milkrun“ beim Kunden im Lenkungshalter-Beispiel.
Intern ist der Milkrun ein Routenzug zwischen Supermarkt und Linie. Er ersetzt die Fahrt auf Zuruf durch einen Fahrplan: Jeder Halt wird in jeder Runde angefahren, auch wenn dort gerade wenig gebraucht wird. Damit wird die Materialversorgung so berechenbar wie die Fertigung selbst.
Was der Mizusumashi tut
- Material aus dem Supermarkt holen, mit Entnahme-Kanban als Auftrag.
- Material am Verbrauchsort in kleinen Behältern bereitstellen, griffgerecht und in fester Menge.
- Leergut und Kanban-Karten mitnehmen und im Supermarkt in den Kanban-Briefkasten legen.
- Am Schrittmacher die nächste Karte aus der Heijunka-Box abgeben und die fertige Menge abholen.
- Abweichungen melden: fehlende Teile, volle Puffer, Störungen. Der Fahrer sieht die ganze Route und merkt Probleme früh.
Umlaufzeit und Auslastung
Die Umlaufzeit ist meist der Pitch, also die Zeit, in der eine Behältermenge im Kundentakt verbraucht wird. Die Runde besteht aus Fahrzeit und Handling an jedem Halt. Sie muss mit Reserve in die Umlaufzeit passen, sonst kommt der nächste Halt zu spät.
Wie viel Auslastung ist richtig?
Planen Sie 70 bis 85 %. Die Reserve fängt Wartezeiten an Haltestellen, Störungen und gelegentliche Sonderfahrten ab. Über 100 % schafft der Fahrer die Runde nicht, die Linie wartet. Dann helfen weniger Halte je Route, kürzeres Handling (Behälter griffgerecht, Karten in festen Fächern) oder ein zweiter Routenzug.
Unter 50 % lohnt es sich, Routen zusammenzulegen oder dem Mizusumashi weitere Aufgaben zu geben, etwa das Rüsten vorzubereiten. Verlängern Sie dafür nicht einfach die Umlaufzeit: Jede Minute mehr Umlauf heißt mehr Bestand an der Linie.
Bestand an der Linie und Kanban
Am Verbrauchsort muss nur so viel stehen, dass es bis zur nächsten Runde reicht, plus eine Reserve. Eine Karte, die kurz nach dem Halt frei wird, wartet bis zur nächsten Runde und kommt eine Runde später gefüllt zurück. Die Wiederbeschaffungszeit über den Routenzug beträgt deshalb bis zu zwei Umläufe.
Im Editor
Im Profi-Modus finden Sie in der Palette unter Material das Symbol „Routenzug (Mizusumashi)“. Tragen Sie Umlaufzeit, Haltestellen, Fahrzeit, Handling je Halt und Behälter je Runde ein. Das Symbol zeigt die Auslastung, ab 85 % orange und über 100 % rot; die Prüfungen rechts melden dasselbe. Verbinden Sie den Supermarkt per Pull mit dem Routenzug und den Routenzug per Lieferung mit dem Verbraucher. Durchlaufzeit und Zeitlinie ändern sich dadurch nicht, der Routenzug steht neben dem Materialfluss.
Im Editor üben
Öffnen Sie die Vorlage „Lenkungshalter (Soll-Zustand)“, wechseln Sie in den Profi-Modus und klicken Sie den Routenzug an. Erhöhen Sie die Haltestellen auf 5: Ab welcher Zahl meldet die Prüfung eine zu hohe Auslastung?
Vorlage im Editor öffnen Leer startenHäufige Fragen
Was ist ein Mizusumashi?
Der Fahrer eines Routenzugs im Toyota-Produktionssystem, wörtlich „Wasserläufer“, englisch water spider. Er versorgt die Linie in fester Umlaufzeit aus dem Supermarkt, nimmt Leergut und Kanban-Karten mit und gibt Heijunka-Karten an den Schrittmacher.
Was ist der Unterschied zwischen Milkrun und Routenzug?
Milkrun beschreibt das Prinzip: feste Route, fester Takt, mehrere Halte. Extern fährt ihn ein Lkw zwischen Lieferanten oder Kunden, intern ein Routenzug zwischen Supermarkt und Linie.
Wie lang sollte die Umlaufzeit sein?
Meist so lang wie der Pitch, im Lenkungshalter-Beispiel 20 min. Kürzere Umläufe senken den Bestand an der Linie, erhöhen aber die Zahl der Fahrten und damit die Auslastung des Fahrers.
Wann brauche ich einen zweiten Routenzug?
Wenn die Auslastung über rund 85 % liegt und sich Handling oder Halte nicht weiter reduzieren lassen. Teilen Sie die Halte dann auf zwei Routen auf, statt die Umlaufzeit zu verlängern.