Die 7 Arten der Verschwendung (Muda) – plus die achte: erkennen und beseitigen
In einer Halle wirkt alles beschäftigt: Menschen arbeiten, Maschinen laufen, Stapler fahren. Wie viel davon bringt den Kunden weiter? Verschwendung, japanisch Muda, ist alles, was Zeit, Material oder Geld kostet, aber keinen Wert für den Kunden schafft. Diese Lektion zeigt die sieben klassischen Arten nach Taiichi Ohno und die achte, jeweils mit Zahlen aus einem durchgerechneten Wertstrom.
Video zur Lektion
Beispiel „Lenkungshalter“ angelehnt an den Lehrbuchfall aus Rother/Shook, Learning to See (LEI 1999). Beim Abspielen wird das Video von YouTube (Google) im erweiterten Datenschutzmodus geladen. Datenschutz
Video zum Nachlesen: Transkript (10 Kapitel)
Einstieg
Wenn Sie durch eine Halle gehen, sehen Sie Menschen arbeiten, Maschinen laufen, Stapler fahren. Alles wirkt beschäftigt. Aber wie viel davon bringt den Kunden wirklich weiter? In dieser Lektion lernen Sie die 7+1 Arten der Verschwendung kennen, und wir finden sie direkt in einem echten Wertstrom.
Die 7+1 Arten
Verschwendung, japanisch Muda, ist alles, was Zeit, Material oder Geld kostet, aber für den Kunden keinen Wert schafft. Taiichi Ohno von Toyota hat sieben Arten beschrieben: Überproduktion, Bestände, Transport, Wartezeit, unnötige Bewegung, Überbearbeitung und Fehler. Später kam eine achte dazu: das ungenutzte Wissen der Mitarbeitenden.
Überproduktion
Fangen wir mit der schlimmsten an: Überproduktion. Schauen Sie auf Schweißen 2. Die Station bekommt von der Produktionsplanung einen Wochenplan und arbeitet ihn ab, egal ob die Montage die Teile gerade braucht. Das Ergebnis liegt direkt dahinter: 1.600 geschweißte Teile, genug für fast zwei Arbeitstage. Überproduktion ist deshalb so schlimm, weil sie andere Verschwendungen nach sich zieht: Lagerfläche, Transporte, Suchzeiten.
Bestände
Zweitens: Bestände. Die Kennzahlleiste zählt alles zusammen, was in diesem Wertstrom liegt: 13.380 Teile. Ein Treiber sitzt ganz vorne: Das Stanzen fertigt Lose von 1.000 Stück, weil das Rüsten eine Stunde dauert. Bestände sind nicht nur gebundenes Geld. Sie verdecken Probleme. Solange genug Teile da sind, fällt eine Störung niemandem auf.
Wartezeit
Drittens: Wartezeit. Für das Teil ist sie der größte Posten: 11,3 Tage Durchlaufzeit, davon 2,6 Minuten Bearbeitung. Den Rest wartet es. Und auch Maschinen warten: Schweißen 2 ist nur zu 80 Prozent verfügbar. Jede fünfte Minute steht die Station.
Transport
Viertens: Transport. Die Coils kommen zweimal pro Woche per Lkw, die fertigen Teile fahren täglich im Milkrun zum Kunden. Jeder Transport zwischen Lager, Station und Supermarkt kostet Zeit und Fläche, bringt dem Teil aber keinen Wert. Halten Sie Transporte deshalb so kurz und so selten wie möglich, ohne dafür riesige Lose zu bilden.
Fehler
Springen wir zu den Fehlern. Die Montage hat zwei Prozent Ausschuss. Das klingt wenig, aber jedes Ausschussteil hat vorher schon alle Stationen durchlaufen. Der Editor rechnet den Ausschuss direkt in die effektive Zykluszeit ein: Aus 62 werden 63,3 Sekunden. Genau das macht die Montage zum Engpass.
Bewegung, Überbearbeitung, Wissen
Drei Verschwendungen sieht man im Wertstrom kaum: unnötige Bewegung, Überbearbeitung und ungenutztes Wissen. Dafür müssen Sie an den Arbeitsplatz. Ein einfacher Trick: Zeichnen Sie die Laufwege einer Werkerin eine Stunde lang auf ein Blatt Papier, ein sogenanntes Spaghetti-Diagramm. Fragen Sie bei jedem Prüfschritt, ob der Kunde ihn wirklich verlangt. Und fragen Sie die Leute an der Linie, was sie nervt. Die besten Ideen kommen fast immer von dort.
Morgen umsetzen: Waste-Walk
So nutzen Sie das morgen: Machen Sie einen Waste-Walk. Dreißig Minuten, eine Produktfamilie, ein Notizblock. Notieren Sie zu jeder der acht Arten mindestens ein Beispiel mit Zahl: wie viele Teile, wie viele Meter, wie viele Minuten. Ohne Zahl ist es eine Meinung, mit Zahl ein Ansatzpunkt. Und halten Sie das Ergebnis direkt als Wertstrom fest: Bestände als Dreiecke, Verbesserungsideen als Kaizen-Blitze.
Selbst ausprobieren
Probieren Sie es selbst. Öffnen Sie die Vorlage Lenkungshalter kostenlos auf wertstromanalyse.app und suchen Sie die acht Verschwendungen. In der nächsten Lektion geht es um Kaizen und PDCA: wie Verbesserung zur Routine wird.
Muda, Mura, Muri
Das Toyota-Produktionssystem unterscheidet drei Formen von Verlust: Muda ist Verschwendung, also Tätigkeiten ohne Wert für den Kunden. Mura ist Ungleichmäßigkeit, etwa schwankende Abrufe oder wechselnde Losgrößen. Muri ist Überlastung von Menschen und Anlagen. Mura und Muri erzeugen Muda: Wer ungleichmäßig plant, baut Puffer auf, und wer Anlagen überlastet, produziert Störungen und Fehler.
Nicht jede Tätigkeit ohne Wert lässt sich sofort streichen. Man unterscheidet wertschöpfende Tätigkeiten, notwendige nicht wertschöpfende Tätigkeiten (etwa gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen) und reine Verschwendung. Die dritte Gruppe wird beseitigt, die zweite so klein wie möglich gehalten.
Die sieben Arten nach Ohno
Taiichi Ohno hat die sieben Arten in „Das Toyota-Produktionssystem“ beschrieben. Die Beispiele stammen aus der Linie für Lenkungshalter im Video:
- Überproduktion: mehr oder früher produzieren, als der nächste Prozess braucht. Schweißen 2 arbeitet einen Wochenplan ab; dahinter liegen 1.600 geschweißte Teile, fast zwei Arbeitstage.
- Bestände: Material, das liegt. Im Wertstrom liegen 13.380 Teile; ein Treiber sind Stanzlose von 1.000 Stück, weil das Rüsten eine Stunde dauert.
- Wartezeit: Teile oder Menschen warten. Das Teil wartet 11,3 Tage bei 2,6 Minuten Bearbeitung; Schweißen 2 steht wegen 80 % Verfügbarkeit jede fünfte Minute.
- Transport: Material bewegen, ohne es zu verändern. Coils kommen zweimal pro Woche per Lkw, jede Fahrt zwischen Lager, Station und Supermarkt kostet Zeit und Fläche.
- Unnötige Bewegung: Laufen, Suchen, Bücken am Arbeitsplatz. Sie ist im Wertstrom kaum sichtbar und zeigt sich erst am Arbeitsplatz, etwa im Spaghetti-Diagramm.
- Überbearbeitung: mehr Aufwand, als der Kunde verlangt, etwa doppelte Prüfungen oder engere Toleranzen als nötig.
- Fehler: Ausschuss und Nacharbeit. Die Montage hat 2 % Ausschuss; jedes Ausschussteil hat vorher alle Stationen durchlaufen. Die effektive Zykluszeit steigt dadurch von 62 auf 63,3 Sekunden.
Die achte Art: ungenutztes Wissen
Später kam eine achte Art dazu, unter anderem durch Jeffrey Liker („The Toyota Way“): das ungenutzte Wissen und Können der Mitarbeitenden. Wer an der Linie arbeitet, kennt die Störungen, Umwege und Ärgernisse am besten. Wer diese Leute nicht fragt, verschenkt die günstigsten Verbesserungen.
Warum Überproduktion die schlimmste Verschwendung ist
Ohno nannte Überproduktion die schlimmste Art, weil sie die anderen nach sich zieht: Was zu früh produziert wird, muss gelagert, transportiert, gezählt und gesucht werden. Sie verdeckt außerdem Probleme. Solange genug Teile da sind, fällt eine Störung niemandem auf. Deshalb beginnt die Beseitigung von Verschwendung meist bei der Steuerung: weniger Pläne an einzelne Stationen, mehr Pull.
Verschwendung im Wertstrom finden
Vier Arten sieht man direkt auf der Wertstromkarte: Bestände als Dreiecke mit Reichweite, Wartezeit in der Zeitlinie, Überproduktion an Plänen für einzelne Stationen mit großem Bestand dahinter, Fehler in Ausschussquote und effektiver Zykluszeit. Transport sieht man an Lkw- und Milkrun-Symbolen mit ihrer Frequenz. Bewegung, Überbearbeitung und ungenutztes Wissen dagegen findet man nur am Arbeitsplatz.
Waste-Walk: Anleitung für morgen
Ein Waste-Walk ist ein strukturierter Rundgang mit dem Ziel, Verschwendung zu zählen statt zu beklagen:
- 30 Minuten, eine Produktfamilie, ein Notizblock, am besten zu zweit.
- Zu jeder der acht Arten mindestens ein Beispiel mit Zahl: wie viele Teile, wie viele Meter, wie viele Minuten. Ohne Zahl ist es eine Meinung, mit Zahl ein Ansatzpunkt.
- Laufwege einer Person eine Stunde lang aufzeichnen (Spaghetti-Diagramm).
- Bei jedem Prüfschritt fragen: Verlangt der Kunde das wirklich?
- Die Leute an der Linie fragen, was sie am meisten stört.
- Ergebnis als Wertstrom festhalten: Bestände als Dreiecke, Ideen als Kaizen-Blitze mit Verantwortlichem und Termin.
Im Editor üben
Öffne die Vorlage „Lenkungshalter (Ist-Zustand)“ und finde zu jeder der acht Verschwendungsarten eine Stelle mit Zahl. Trage zwei Ideen als Kaizen-Blitz ein.
Vorlage im Editor öffnen Leer startenHäufige Fragen
Was sind die 7 Arten der Verschwendung?
Überproduktion, Bestände, Wartezeit, Transport, unnötige Bewegung, Überbearbeitung und Fehler. So hat Taiichi Ohno sie im Toyota-Produktionssystem beschrieben.
Was ist die 8. Art der Verschwendung?
Ungenutztes Wissen und Können der Mitarbeitenden. Sie wurde später ergänzt, unter anderem durch Jeffrey Liker in „The Toyota Way“.
Was bedeutet Muda?
Muda ist das japanische Wort für Verschwendung: alles, was Ressourcen verbraucht, aber für den Kunden keinen Wert schafft. Dazu gehören Mura (Ungleichmäßigkeit) und Muri (Überlastung) als Ursachen.
Welche Verschwendung ist die schlimmste?
Überproduktion, weil sie Bestände, Transporte, Suchzeiten und Lagerfläche nach sich zieht und Probleme verdeckt.
Ist jede Prüfung Verschwendung?
Nein. Vorgeschriebene Prüfungen sind notwendige, nicht wertschöpfende Tätigkeiten. Sie werden nicht gestrichen, aber so schlank wie möglich gestaltet. Doppelte oder vom Kunden nicht verlangte Prüfungen sind dagegen Überbearbeitung.